Diplomarbeiten 2008
#48271Unsere Studenten erarbeiten gegen Ende ihrer Studienzeit eine Diplomarbeit im Umfang von ca. 40 Seiten. Sich in ein Thema so richtig vertiefen, Zeit haben neue Entdeckungen zu machen, Freude am selbständigen Erforschen eines eigenen Interessegebietes, das sind einige Motive, die unsere Studenten dazu veranlassen über Monate hinweg dran zu bleiben. Die Resultate lassen sich sehen. Eine Auswahl kann nun hier auf unserer Homepage eingesehen und sogar runtergeladen werden. Wir freuen uns, wenn viele Freunde von St. Chrischona durch diese Arbeiten gesegnet werden. Die vorgestellten Texte behandeln interessante biblischtheologische, ethische und kirchengeschichtliche Themen.
#47855Stefanie Meyer, Charisma und Amt Stefanie Meyer (Jg. 1981) Nach meiner Matura in Langenthal (2001) und einem Zwischenjahr im In- und Ausland absolvierte ich den fünfjährigen Studiengang (inklusive einem Missionspraktikum in Brasilien und London) am Theologischen Seminar St. Chrischona, den ich 2008 abschliessen konnte. Heute bin ich als Jugendarbeiterin im Evangelischen Gemeinschaftswerk Langenthal tätig. Das Thema meiner Diplomarbeit, die Bedeutung der Gaben aller und der besonderen Rolle der Leiterschaft (eben 'Charisma und Amt') hat mich schon seit längere Zeit persönlich beschäftigt.
Zusammenfassung der Diplomarbeit In der folgenden Arbeit geht es um die geistlichen Gaben jedes einzelnen Gemeindegliedes aber auch um spezielle Dienste und Leitungsaufgaben innerhalb der Gemeinde, was mit „Charisma und Amt“ oder „Geist und Institution“ bezeichnet wird. Ein gutes Miteinander beider Seiten war schon in der frühen Kirchengeschichte umkämpft. Durch die Auseinandersetzung mit schwärmerischen Irrlehren waren das Charisma bereits im 3. Jh. deutlich institutionalisiert und die Grundlagen für ein starkes hierarchisches Amt gelegt, was die Kirchengeschichte lange prägen sollte. Auch in der Reformation, wo das Amt bestehen blieb, erhielten die Charismen im Sinn von „Geistesgaben“ keine erneute Bedeutung. Dies änderte sich erst durch die Erweckungsbewegungen seit dem Pietismus bis hin in die Neuzeit, welche nun geprägt ist von den verschiedensten Gewichtungen von Charisma und Amt. 1892 war es Sohm, der als erster eine charismatische Gemeindestruktur in den paulinischen Gemeinden ausrief und diese als Gegensatz zum Amt auffasste, was die theologische Diskussion seither stark beeinflusst. Ich gehe jedoch, im Gegensatz zu Sohm, davon aus, dass alle Briefe, die Paulus als Verfasser nennen, auch paulinisch sind. Durch die gründliche Auslegung dieser Briefe und besonders zentraler Texte bin ich zum Schluss gekommen, dass schon bei Paulus Charisma und Amt nicht ein Gegensatz, sondern eine Ergänzung füreinander waren. Die untersuchten Charismenlisten (1Kor 12,8-10; 28-29; Röm 12,6-8) stehen in einem stark paränetischen Zusammenhang, wo es um das Dienen der einzelnen Christen als Glieder am Leib geht. Die Listen selbst sind nur Beispiele für die Hauptaussage von Einheit in der Vielfalt. Sie sind in sich ungeordnet und nicht abgeschlossen und somit nicht als Gemeindeverfassung (weder rein charismatisch noch amtlich hierarchisch) zu verstehen. Das Bild vom Leib kann aber wichtige Impulse für eine allfällige Gemeindeverfassung enthalten. In den Listen eingeschlossen sind auch einzelne Ämter, d. h. Dienste die damals wohl regelmässig und teilweise aus einer Verantwortungsposition ausgeübt wurden. Nur schon dieser Sachverhalt zeigt, dass es bei Paulus keinen Gegensatz von Charisma und Amt gab. In anderen Stellen sehen wir zudem, dass es in den paulinischen Gemeinden z. T. schon sehr früh dauerhafte Dienste und Leitungspersonen mit oder ohne klare Titel gab. Gott will gerade die leitenden und lehrenden Ämter brauchen, um die anderen Christen zuzurüsten, damit diese wiederum ihren Dienst tun und ihre Charismen zum Aufbau der Gemeinde leben können – als gegenseitige Ergänzung. |
#47857Samuel Maag, Das Evangelium nach Matthäus - Von der Struktur zur Intention Zusammenfassung der Diplomarbeit Die Frage oder das Geheimnis nach der Intention des Matthäus-Evangeliums soll in dieser Arbeit erforscht werden. Als primäres Hilfsmittel auf dem Weg der Ermittlung gilt die vielseitige Struktur1 des Evangeliums. Zuerst soll der Situationszusammenhang des Buches untersucht werden. Das altkirchliche Zeugnis ist sich einig, dass der Verfasser des ersten Evangeliums Matthäus ist, der Jünger Jesu und Apostel der Alten Kirche. Matthäus schrieb das Buch für die jüdische Gemeinde mit dem Ziel, ihnen ein schriftliches Zeugnis des Evangeliums von Jesus Christus zu hinterlassen. Sehr wahrscheinlich verfasste er dieses Werk in Palästina, noch vor dem jüdischen Krieg (66-70/73 n. Chr.). Im ersten Teil der Strukturuntersuchung werden zum Matthäus-Evangelium drei Gliederungstypen aus diversen Kommentaren analysiert. Dabei lässt sich eine grosse Vielfalt von unterschiedlichen Meinungen feststellen. Fast alle Exegeten sind sich aber einig, dass sich das Mt-Ev auf Grund seiner bewussten „Ordnung“ tatsächlich gliedern lässt. Im zweiten Teil werden auf Grund meiner Arbeitsübersetzung die wichtigsten Beobachtungen zur Struktur des Matthäus-Evangeliums systematisch-exegetisch untersucht. Der Ertrag dieser Untersuchung führt dann zu einem Gliederungsversuch des Evangeliums. Durch die vielen Zusammenhänge und Schwerpunkte des Evangeliums entstanden zunächst einmal die Textgliederung und zwei weitere Gliederungsebenen. Nun folgt der Schritt von der Gliederung zur Intention. Auf Grund der Textgliederung und den zwei Gliederungsebenen können verdichtet Aussagen zu den Intentionen gemacht werden. Die Absicht von Matthäus und zugleich die Gesamtbotschaft des Evangeliums rücken dabei immer weiter ins Licht. Ich meine abschliessend bezeugen zu können, dass einzelne Hauptschwerpunkte des Evangeliums auf Grund von Strukturhinweisen ermittelt werden können. Natürlich bleibt diese Arbeit ein kleiner Beitrag zur dieser komplexen Thematik und versteht sich als Stückwerk der ganzen Erkenntnis.
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#47859Matthias Welz, Fritz Berger und die Heiligungsbewegung Matthias Welz Im Mai 1964 wurde ich im Appenzellerland (CH) geboren, wo ich auch meine Jugendzeit verbrachte. Mit 15 Jahren traf ich die wichtigste Entscheidung, die mein Leben völlig veränderte: Ich bat Jesus Christus, die Führung in meinem Leben zu übernehmen. Nach meiner Ausbildung als Konditor-Confiseur habe ich einige Jahre auf meinem Beruf gearbeitet. Anschliessend war ich 4 Jahre in der Schokoladenindustrie tätig. 1993 wurde ich vom Evangelischen Brüderverein in den Dienst als reisender Prediger (Evangelist) berufen. Mein Gemeindeverband stellte mich von 2004 bis 2008 frei, um am Theologischen Seminar auf St. Chrischona (TSC) meine Kenntnisse rund um die Bibel zu erweitern und zu vertiefen. Seit 1991 bin ich mit Monika verheiratet und wir leben mit unseren fünf Kindern in Basel.
Zusammenfassung der Diplomarbeit Von einer internationalen Konferenz über Heiligung in Oxford inspiriert, brachten Rappard, Stockmayer und Bovet 1874 die Inhalte der angelsächsischen Heiligungsbewegung nach Bern. In den achtziger Jahren trugen Elias Schrenk und anschliessend v.a. die Laienevangelisten der Evangelischen Gesellschaft die Gedanken vom „Higher Christian Life“ bis in die hintersten Winkel des Emmentals und somit in die unmittelbare Umgebung von Fritz Berger. Im Zuge eines geistlichen Aufbruchs durch die Heiligungsbewegung im Unteremmental (Waltriger-Erweckung) erreichte 1899 Gottes Ruf zur Bekehrung Berger unmittelbar, als er am Wirtshausstammtisch seines Wohnortes sass. 1902 erlebte Berger bei der Lektüre von Römer 6, nach einer Phase verzweifelter Selbstbefreiungsversuche, eine tief greifende Wiedergeburtserfahrung, die zur Initialzündung für seine weitere Wirksamkeit wurde. Obwohl Berger bald eigene Wege ging und den Brüderverein ins Leben rief, ist trotzdem unverkennbar, dass er seine geistlichen Erkenntnisse (z.B. Lehre der Erlösung, Zweistufenlehre) zu einem grossen Teil durch die Vertreter der Heiligungsbewegung erhielt und nicht nur direkt vom Himmel, wie dies oft dargestellt wird. Bergers Verkündigung war von drei theologischen Hauptanliegen geleitet: Mit grosser Durchschlagskraft verbreitete er die Botschaft der „Glaubensgerechtigkeit“. Darüber hinaus betonte er im Sinne der Heiligungsbewegung den „Sieg über die Sünde“, sowie das „Schöpfen aus dem Gnadenreichtum Christi“ (vom „Haben“ leben). Brüderliche Beziehungen pflegte Fritz Berger vorwiegend mit denjenigen Vertretern der Heiligungsbewegung, die gleich wie er, den „Sieg über die Sünde“ zum zentralen Inhalt ihrer Theologie gemacht hatten. Dabei fallen zwei Dinge besonders auf: Erstens gehörten Bergers Freunde fast ausnahmslos zur Gruppe der „Neutralen“ innerhalb der Heiligungsbewegung, welche die radikale Verurteilung der Pfingstbewegung nicht in jeder Hinsicht teilten. Zweitens betrieben Bergers Freunde entweder keine eigene Gemeindearbeit oder sie stammten nicht aus dem unmittelbaren Wirkungsgebiet Bergers („ferne“ Brüder). Die Verbindungen nach aussen wurden später von Bergers Nachfolgern stark eingeschränkt, was mitunter eine Verengung der Theologie förderte und zu einer Erstarrung in zeitbedingten Formen führte. Im letzen Teil der Arbeit wird anhand der gewonnenen Einsichten in fünf kurzen Thesen ein fruchtbarer Ertrag für die theologische Praxis des EBV in Gegenwart und Zukunft postuliert (in den Bereichen Ekklesiologie, Soteriologie und weiteren). |
#47885Stephanie Korinek, Gender Mainstreaming Stephanie Korinek Stephanie Korinek, Jahrgang 1970, studierte von 1991-1995 in Bamberg Lehramt für Grundschulen mit Hauptfach Musik und war bis 2004 Lehrerin in Bayern. Im Rahmen ihres Zweitstudiums zum Bachelor of Arts in Theology (2004-2008) schrieb sie vorliegende Diplomarbeit zum Thema „Gender Mainstreaming“. Stephanie Korinek ist Dozentin für Neutestamentliches Griechisch am Theologischen Seminar St. Chrischona, Basel (Schweiz).
Zusammenfassung der Diplomarbeit Diese Diplomarbeit geht der Frage nach: Was ist Gender Mainstreaming und wo liegen seine Wurzeln? Wie verhält sich das Menschenbild des Gender Mainstreaming zum biblischen Menschenbild? Dazu werden im ersten Kapitel zunächst die Definitionen zu „Gender“ und „Gender Mainstreaming“ vorgestellt. Sie stammen von der Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und vom Gender-Kompetenz-Zentrum Berlin. Das zweite Kapitel zeigt zum einen die historische Entwicklung des Feminismus und zum anderen die Entstehung der Gender – Theorie auf. Den Abschluss dieses Kapitels bildet der Bericht über die Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995, wo der Grundstein zur politischen Umsetzung der Gender – Theorie als „Gender Mainstreaming“ gelegt wurde. Im dritten Kapitel werden die Forderungen und Folgen des Gender Mainstreaming dargestellt. Hier wird aufgezeigt, auf welche Weise das Gender Mainstreaming in Deutschland (und der EU) auf politischer Ebene umgesetzt wird. Das vierte Kapitel konzentriert sich darauf, das biblische Menschenbild nach Gen 1-3 darzustellen. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen wird hier durch Aspekte, die für die Diskussion mit der Gender - Theorie bedeutsam sind, veranschaulicht. Im fünften Kapitel erfolgt eine Gegenüberstellung des biblischen Menschenbildes und des Menschenbildes der Gender – Theorie. In dieser abschließenden Diskussion treten die unterschiedlichen Positionen zu Fragen der Gleichwertigkeit der Geschlechter, zur Leiblichkeit und Geschlechtlichkeit, zur Sprache und Identität, und zur Würde des Menschen noch einmal deutlich zutage. |
#73588Beat Brugger, Die Schönborn Debatte, ihr Verlauf und ihr theologischer Ertrag Beat Brugger Am 3. Oktober 1972 erblickte ich in Mexiko City als erster Sohn meiner Schweizer Eltern, das Licht der Welt. Als sechsjähriger kehrte ich mit meinen Eltern in die Schweiz zurück, wo ich die obligatorischen Schulen besuchte. Nach einer dreijährigen Lehre als Landschaftsgärtner, entschied ich mich, eine private Handelsschule zu besuchen, die ich nach einem zusätzlichen Praxisjahr mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis zum Kaufmännischen Angestellten erfolgreich abschloss. Während neuen Jahren arbeitete ich auf verschiedenen Banken, mehrheitlich im Firmenkundengeschäft. Der Berufung Gottes folgend, studierte ich fünf Jahre am Theologischen Seminar St. Chrischona (4 Jahre Studium und ein Praxisjahr). Heute lebe ich mit meiner Frau in Kleinandelfingen und bin Prediger der Evangelischen Freikirche Chrischona Andelfingen. Die vorliegende Diplomarbeit, mit der ich einen Teilaspekt des Themenkreises „Schöpfung und Evolution“ beleuchte, ist Ausfluss meines regen Interesses am Verhältnis von Naturwissenschaft und Weltanschauung. Die Beschäftigung mit dieser Thematik (damals allerdings noch auf sehr bescheidenem Niveau) führte übrigens dazu, dass ich mich als 16-jähriger entschied, eine verbindliche Beziehung mit dem Schöpfer einzugehen.
Zusammenfassung der Diplomarbeit Am 7. Juli 2005 veröffentlichte die New York Times einen Gastkommentar des Erzbischofs von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, unter dem Titel „ Finding Design in Nature“. Dieser löste eine weltweite, bis zum heutigen Tag andauernde Debatte aus, welcher in der vorliegenden Arbeit nachgegangen wird, um schliesslich nach ihrem theologischen Ertrag zu fragen. Schönborn wehrt sich in seinem Essay gegen Aussagen, wonach die Katholische Kirche der Evolutionstheorie kritiklos zustimmt. Zudem weist er darauf hin, dass die menschliche Vernunft es nahe legt, auf ein Design in der Welt des Lebendigen zu schliessen. Zwar anerkennt er Evolution im Sinne einer gemeinsamen Abstammung als mögliche Erklärung für die Entstehung des Lebens. Einen ungeplanten Prozess von zufälliger Variation und natürlicher Selektion lehnt er aber ab. Für ihn sind Denksysteme wie der Neo-Darwinismus, die ein Design in der Natur leugnen und wegzuerklären suchen, Ideologie und nicht Wissenschaft. An der darauf folgenden Debatte, die auf weiten Strecken sehr emotional und unsachlich geführt wurde, beteiligten sich Naturwissenschaftler, Philosophen und Theologen. Auffällig ist dabei, dass die meisten Einwände gegen Schönborns Gastkommentar auf Missverständnissen basierten und an dessen Anliegen vorbei gingen. Der Kardinal meldete sich in verschiedenen Medienauftritten, Vorträgen und Büchern selbst zu Wort, wo er einerseits die Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie/Theologie zog und andererseits die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens aufzeigte. Der theologische Ertrag der Debatte liegt dann auch in der Erkenntnis, dass die naturwissenschaftliche Forschung nicht mit dem Gottesglauben in Konflikt gerät, solange sie ihren Grundsätzen treu bleibt. Im Falle des Neo-Darwinismus handelt es sich um eine Grenzüberschreitung, die zum philosophischen Konzept des Materialismus wird, das aber für verschiedene Bereiche des Seins keine genügende Antwort zu liefern vermag. Im Gegensatz dazu wird der jüdisch-christliche Gottesglaube den Anfragen des Seins und insbesondere des Lebens in seiner Vielfalt gerecht. |